Alternative Wohnoptionen: Kleine Wohnung mieten
Die Stadt- und Wohnraumplanung kann oft genug nicht mit der Dynamik des Immobilienmarktes mithalten – geschweige denn mit dem Leben, das in den Immobilien gelebt wird. Ein Schnipp und das Paar zieht zusammen in eine kleine Mietwohnung, heiratet, sucht ein Haus für die Familie. Die Kinder wachsen, ziehen aus.
Doch das Eigenheim hat weiterhin 140 qm: Viel Platz für zwei. Eine rationale Sichtweise könnte sein, eine kleinere Wohnung zu mieten. Vielleicht steht dahinter sogar ein Wunsch. Wert- und Finanzfragen können jedoch Emotionen beeinflussen und solche Optionen indiskutabel werden lassen. Heisst, dass potenziell positive Veränderungen für die Menschen, den Immobilienmarkt und die Gemeinschaft gar nicht erst eintreten können. GOLDINGER Immobilien arbeitet mit und für Menschen, empathisch, zielorientiert. Deshalb dieser Take zum Thema.

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Miete einer kleinen Wohnung: Emotion ist Perspektive
Das einleitende Beispiel des Pärchens illustriert, wie wichtig Perspektive ist. Insbesondere wenn ein wertvoller Teil des eigenen Lebens, das Haus bspw. für eine kleinere Wohnung eingetauscht werden soll. Welches psychologische Motiv, welche Gedanken stehen hinter so einer Entscheidung? Die folgenden Beispiele skizzieren, wie Emotionen die Perspektive aufs Zuhause lenken können.

Identitäts- & Bindungsschema: Home sweet Home.
Ein Haus oder eine Eigentumswohnung in Eigennutzung ist meistens mehr als ein Objekt. Die quietschende Stelle im Parkett, Versteckspiel mit den Kleinen oder Familien-Bellos Platz auf der Couch. Der demente Witwer beispielsweise, dessen geliebte Frau bei einem Fahrradunfall verstarb: Emotion und Perspektive? Hat die Tochter des Witwers recht? Im altersgerechten Wohnen könnte der Senior professionell versorgt werden und hätte eine eigene kleine Wohnung. Die eine Kette seiner Frau, das Bild vom Bau des Eigenheims könnte er mitnehmen. Oder blockieren der materielle Wert des Hauses, die letzte Sicherheit und die Erinnerungen seine Entscheidung?
Verlustschema & Verlustangst
Wegen der Immobilität eines Eigenheims sind Makro- und Mikrolage zentrale Aspekte für die Preisfindung. Wenn sich bspw. die wirtschaftliche Situation in einer Gegend ändert, weil Industrien technologisch überholt oder Unternehmen abgewandert sind. Oft folgt daraus eine schleichende, manchmal kurzfristige, Wertminderung von Wohnimmobilien. Unter diesem Licht betrachtet: Welche Chancen und Optionen bietet das gemeinsame Zuhause des Mitte-Fünfziger-Pärchens noch? Wird der Wert ihres Hauses wieder steigen? Sagt dann die Emotion, dass das Alte eben bleiben müsse? Abseits dessen haben sie das Haus selbst gebaut, für x-Tausend Franken – Sunk-Cost-Falle. Wenn es weg wäre und sie eine kleine Wohnung anmieten müssten, wären sie in jedem Fall schlechter dran. Oder?

Vom Besitz zur kleinen Mietwohnung: Platz für Incentives
Ein selbstbewohntes Haus sollte ein Objekt mit ermittelbarem Wert sein – am Markt orientiert, nicht an Emotionen. Stattdessen wird es schnell zum Anker oder Zankapfel. Aber mal angenommen, das offen kommunizierte Argument, dass situationsbedingt eine kleine Mietwohnung besser wäre als das Eigenheim, würde fair diskutiert. Welche Möglichkeiten hätte ein Immobilienbesitzer für den Wechsel in Miete?
Systemische Vorteile für Immobilienbesitzer
Das Schweizer System ist darauf ausgelegt, dass Immobilienbesitz in privater Hand und selbstbewohnt lang gehalten wird. Im Falle von Verkäufen gibt es einige wirksame Anreize, die das Reinvestieren in eine neue Immobilie forcieren. Wichtig ist dabei, dass Downsizing oder andere Nutzungen als die private, nicht primär wichtig sind. Wie es beim Kauf einer kleineren Immobilie aussieht, wird in einem zweiten Artikel thematisiert. Ergo: Einmal Besitz, immer Besitz. Sofern man nicht über seinen Schatten springen mag und den Verlust von Steuervorteilen in Kauf nehmen will. Über die Betrachtung von Modellrechnungen wird schnell klar, weshalb allein diese Einbussen den Abbau von Blockaden zum Wechsel von Besitz zu Miete erschweren könnten.
Verkauf Ihrer Immobilie

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Bestehende Hilfen im Mietmarkt
Vielleicht kann sich der Senior aus dem Beispiel auf die Möglichkeiten stützen, die der Mietmarkt vorsieht? Für die Unterstützung von Studenten, Rentnern oder alleinerziehenden SchweizerInnen sind Mietzuschüsse verfügbar, je nach Kanton. Allerdings handelt es sich zumeist um Hilfe im Rahmen der sozialen Sicherung. Ein Beispiel am Rande: Laut Reglement für Mietzuschüsse der Stadt Schaffhausen bspw. können Rentner der AHV und der IV Hilfe bekommen. Unser Senior erfüllt allerdings die Voraussetzungen nicht. Bis hierhin ist demnach absehbar, dass bei Veräusserung des Eigenheims, ohne eine Ersatzbeschaffung, theoretische und sehr lebensnahe finanzielle Nachteile auf den Witwer zukommen: Verluste beim Verkaufspreis oder bspw. durch fällige Steuern, wie hier beschrieben.

Zudem zeigt der Schweizer Mietmarkt einige Besonderheiten. Hier ein kleiner Exkurs: Laut Miet-Barometer 2026, das Ergebnis einer Befragung von knapp 35‘000 Teilnehmern, bringen im Schnitt 65-70% der Befragten rund 20-30%, bzw. bis zu 40% des Haushalteinkommens für die Mietkosten auf.
Wichtig zu wissen ist, dass die Mieten in den letzten zwanzig Jahren um knapp 1/3 gestiegen sind. Und, dass ein Mix aus
- dem Unterschied zwischen Alt-, Bestands- und Angebotsmieten,
- der Zunahme an Haushalten insgesamt (bspw. bei Einpersonenhaushalten zwischen 2014-2024, um +21%),
- Wohnungsknappheit, bei Zunahme von Nachfragern
die generelle Spannung am Mietmarkt verschärft. So zeigen es zwei Artikel aus „Die Volkswirtschaft“ auf.
Und auf der Website des Bundesrates ist zu lesen, dass vom gehobenen Mittelsegment, bis zu den Wohnungen im unteren Kostenbereich Druck spürbar sei. Es könne festgestellt werden, dass die Situation im Thurgau und in Kantonen wie St. Gallen etwas entspannter betrachtet werden könne. Auch unter Einbeziehung positiver und entlastender Bau- und Wohnraumprojekte sind die Möglichkeiten für den Witwer eingeschränkt.
Und was ist mit dem Umzug und den weiteren Kosten? Und mit der Kapitallücke, die entstünde, wenn das Haus veräussert und der Umzug in eine kleine Wohnung zur Miete parallel durchgeführt würden. Der Verkaufserlös ist noch nicht realisiert, die Kaution oder die Kosten für die Möbelpacker werden fällig.
Dafür gibt es Kredite. Allerdings meist zu marktüblichen Zinsen- und Tilgungskonditionen: Sind die grundsätzlich leistbar und sinnvoll für Menschen zwischen sozialer Sicherung und ausreichenden Mitteln? Geld auf dem Sperrkonto gibt es für den Senior-Hausbesitzer nicht, entsprechend auch keine Mietkautionsversicherung.
Ergo zur Wohnflächen-Veränderung
Für den Senior und damit die Familie seiner liebenden Tochter scheint die Option Miete daher wenig attraktiv:
- Der Witwer könnte in seinem Haus wohnen bleiben, es veräussern in Form von Nutzniessung oder ein Ersatzobjekt beschaffen. Die finanziellen Nachteile, auch über Steueraufschub und Ähnliches hinaus, könnte er dadurch begrenzen.
- Alternativ wäre die Projektierung des Hausverkaufs bei gleichzeitiger Mietwohungssuche und Klärung der Finanzierung, möglich. Hier wären Punkte wie bspw. Mittel und Wege zur Minderung der Nachteile beim Verkauf ohne Ersatzbeschaffung zu klären.
Wenn die Anfangs-These, dass der Immobilienmarkt davon profitiere, wenn ein Teil der großen, privatgenutzten Immobilien für die Entlastung des Gesamtsystems durch Familien und Gemeinschaftsprojekte genutzt würden : Ist das momentane Anreizsystem adäquat? Zumal für viele Menschen nicht primär das gebundene Kapital ein Problem darstellt. Oft genug sind es Liquiditätslücken, die als erhebliche Hürde durch reguläre Verbraucherkredite abgedeckt werden müssen.