KRISENGEPRÜFT & RESILIENT: SCHWEIZER IMMOBILIENMARKT SEIT DEN 80ERN - TEIL 1
Die Schweiz und der Franken sind bekannt dafür, im Krisenfall Stabilität und Sicherheit zu bieten – so, wie Gold oftmals zu einem sicheren Krisenmetall wird. Geplante Resilienz trifft dabei auf gute Grundvoraussetzungen. Und falls die eigene Stärke nicht reicht, kann die Schweiz auf starke Partner bauen. Seit 1980 haben sich die Herausforderungen stark gewandelt: Neben Kriegen sind es vermehrt auch klima- und wetterbedingte Ereignisse. In Folge ergeben sich Wirkungen auf das Finanz- und Energiesystem, auf den Immobilienmarkt und die Verbraucherpreise ganz allgemein. Im ersten Teil unserer Rückschau werfen wir einen Blick auf wichtige Ereignisse der jüngeren Vergangenheit von den Kriegshandlungen in der Ukraine bis zur internationalen Finanzkrise.
Immobilien: Schweizer Immobilien- und Bankenkrise Ende der 90er
Die zyklischen Bewegungen, in denen sich auch der Immobilienmarkt bewegt, führten Anfang der 90er Jahre zum Platzen einer Immobilienblase. So eine Blase und das damit verbundene Risiko entstehen nicht gewöhnlich. In diesem Fall führte eine Kombination aus:
- Starker Konjunktur und damit verbundenem freiem Kapital,
- einer Phase der Niedrigzinsen,
- einer liberalen Kreditpolitik von Banken und Kreditnehmern,
- einer Leerstandquote von 0,4%,
- dem Hang zu sicherheitsbedingter Bankenspekulation und
- dem Eintritt der Pensionskassen als neuem Großinvestor
zum Überhitzen des Marktes.

Und da exponentielles Wachstum entsprechend den Umständen gleichermassen risikoreich wie volatil enden kann, führten das Ende der Konjunktur, die Zinspolitik aufgrund der Inflationsentwicklung, das inhärente Risiko nicht ausreichend regulierter Banken zum Kollaps. Für Immobilienbesitzer hiess das Gürtel enger schnallen oder teils auch direkt Hosen aus: Steigende Kosten, sinkendes Einkommen. Die Preise für Eigentumswohnungen bspw. fielen laut OECD in dieser Zeit um bis zu 35%. Der Hypothekarzins lag zwischenzeitlich bei 8,5%. Die Baukosten explodierten zudem. Das Umfeld, gerade für Immobilienbesitzer ohne ausreichendes Kapital, um die Situation auszusitzen oder für Investitionen zu nutzen, war negativ geprägt. Bis zum Ende der Dekade sollte sich daran nicht viel ändern.
Energie: Energie-Preisschock durch Golkrieg 90/91
Neben den Faktoren, auf die der Immobiliensektor direkt reagiert, ist das Thema Energie von zentraler Bedeutung. Mit einer Latenz finden Preisanstiege bei nicht primär vorhersehbaren Ereignissen den Weg in Stromkostenabrechnungen, Betriebs- und Heizkosten. Und gerade bei Rohöl und Rohölerzeugnissen ist das Display an der Tankstelle ein sehr direkter Indikator. Zumeist steigt die Inflation mit der Schwere der Situation.
Der Golfkrieg und ähnliche Ereignisse waren und sind für die Energie- und Stromversorgung der Schweiz wichtig, weil sie
- historisch eine starke Abhängigkeit von Öl- und Gas hat und
- mit der EU kooperiert, um den Bedarf zu decken.
Energie: Dürre- & Hitzewelle 2003
Sichtbar und spürbar für alle Verbraucher, treten immer wieder Ereignisse auf, die den Wandel in der Energie- und Stromversorgung weiter begründen. Kurz- und mittelfristig stark steigende Kosten stossen schnell negativ auf – nicht nur bei Heiz- oder Kühlkosten. Der Klimawandel sorgte gerade in jüngerer Vergangenheit für systemische Härtetests.Das Warmwettersystem, das sich 2003 über Europa festsetzte, ist so einer. Ganz allgemein ist die Schweiz historisch durch ihre Lage mit kühlen mitteleuropäisch stabilen, von Jahreszeiten dominierten, Wetterlagen und viel Schnee, Gletschern und Gewässern geprägt. Deshalb ist der Anteil an eigenerzeugtem Strom durch Wasserkraft eine etablierte Energiequelle. Das extreme Hitzewetter rund um das Jahr 2003 zeigte dadurch doppelte Wirkung: Die Energieversorgung durch Importe und die Versorgung durch die Wasserkraft waren schwer angeschlagen und in Gefahr. Glück im Unglück: Erneuerbare Energien sind zu diesem Zeitpunkt bereits in der Übergangsphase vom Experiment zum festen Bestandteil des Energiemixes. Der eigene Anspruch als energieunabhängige Nation mit möglichst hoher Resilienz wurde weiter gefestigt.